Die Einsamkeit der Klofrau

Aus Fettes Brot Lexikon

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Einsamkeit der Klofrau

Album: Außen Top Hits, innen Geschmack

Liednummer: 10

Jahr: 1996

Booklettext

(Text: B. Lauterbach, M. Schrader, B. Warns; Freibank Musikverlage; Musik:T. Jensen, J. Busse) Track prodduziert: DJ Rabauke & Busse. Space Echo & gemischt von Mario von Hacht.

Pressetext

Geschichten, die das Leben so spielt, passieren natürlich auch den Menschen, die eigentlich nur Börsen-Berichte, Immobilien-Infos und Hellseher-Hände lesen, nämlich Fettes Brot. "Die Einsamkeit der Klofrau" vereint drei solcher Anekdoten aus dem langweiligen Leben des Brotes, die man durchaus kryptisch genug nennen darf, daß dem geneigten Zuhörer dabei die Superzuhörkräfte schwinden. Im Erlebnisfall wird das ausgeruhte Mantra-Playback von DJ Rabauke & Kuddel Busse den Hörer in einen Zustand der Meditation versetzen, der sich hinter den Ohren gewaschen hat...

Liedtext

[Komik ist Tragik in Spiegelschrift]

Was hab ich auf dieser miesen Party verloren? Fiese Fratzen - uäh! - und der Wein ist vergoren, und die ganze Zeit lieg ich meinem Gott in den Ohren: "Wenn du gnädig bist, werd’ ich nicht hier wiedergeboren!" Jetzt ist Schluss, hab ich erkannt, nahm beide Beine in die Hand. 100 m-Weltrekord, so schnell wie ich verschwand! Gelassen und entspannt ging ich durch die Nacht, doch ich war nicht müde, denn irgendein Krach hielt mich wach. Was hier Geräusche macht, fing ich mich an zu fragen. Ein Blubbern, mir wird schlecht - Hm, mein Magen! Den ganzen Tag hab ich’s vergessen, den ganzen Tag noch nichts gegessen. Plötzlich schreit das Tier in mir: "Fressen!" Skrupellos, ohne Gewissen, die Augen rot und aufgerissen, hätt ich alles, was mir in die Quere kommt, tot gebissen! Doch - buh! - alles zu! Hab überlegt, ob ich was aufbrech, doch so richtig das Tier war ich nun auch nicht... Plötzlich seh ich ein Licht von weitem. Ich trau meinen Augen nicht, weil ich schon ziemlich breit bin. Eine Imbissbude mitten in der Stadt, die mir nach Mitternacht noch Mittag macht. Ich kenn die Bude schon seit Jahren und sie war immer dicht, doch diese Nacht nicht und das rettet mich. Ich bestell mir ne Pommes, ne ganz, ganz große. Ich will Ketchup, doch der Typ meint, dass er die beste Soße in der ganzen Stadt hat. und wenn ich sie probiert hab, will ich bestimmt noch Nachschlag. Hm, mich beschleicht das Gefühl, der Typ tickt nicht richtig. und ich denk mir: Nee, dieser Typ vergiftet mich nicht! Ich sag: "Guter Mann, ihre Soße will ich nicht, auch wenn ich sie verbilligt krieg!" Ein Schlag ins Gesicht ist das für ihn gewesen. Denn sichtlich geknickt stellt er sie unter’n Tresen, Und plötzlich packt mich mein schlechtes Gewissen: Vielleicht hätt ich seine Soße doch probieren müssen? Denn jemals wieder da zu essen, muss keiner von euch hoffen - diese Bude hatte nie wieder offen...

Ich treibe ja nicht wirklich Sport, doch hin und wieder ist mir morgens langweilig und dann eil’ ich über den öffentlichen Trimmpfad für studentenermäßigte 2 Mark 50 ins städtische Schwimmbad. Es war wieder Schulsport, was ich ja erschreckend fand. Und so schwamm ich keine Bahnen, sondern stand halt am Beckenrand und versuchte zu erahnen, ob der Sechstklässler mit den langen Haaren auf der Bank da, wohl krank war. Ich hätt’s gern gewusst, doch dann hab ich’s geseh’n: Auf seiner Brust prangte ein fleischig-rosa und sicher juckendes Ekzem. Mir wurde klar, warum er wohl nicht am Schwimmunterricht teilnahm, denn die Lehrerin sagte, das wäre nicht heilsam für seine Hautkrankheit. Und da guckte er ganz mitgenommen. Ich glaub, er wär wohl gerne mitgeschwommen. Und so saß er ohne Spaß da und war glaub ich, ziemlich traurig. Und ich schau mich so um, wonach er denn so gegiert hat und schnall, dass er wohl den Lehrkörper im Visier hat. Er sah dem Kommando-Engel zu, wie sie in ihre Triller pfiff, während er sich so ganz unauffällig an seinen Piller griff. und wieder mal von Brustschwimmen und Kraulen von ihr, nee, mit ihr nur träumte, so und wieder Sport versäumte. Er war so verliebt in sie, doch sie nicht in ihn - wie mir erschien. Sie wird wohl nie erfahren, wie es im Innern von ihm aussieht, denkt er sicher abends, wenn er sich auszieht. Eine Sportart als Mordtat - und so hofft er deshalb ja auf Basketball im nächsten Halbjahr...

Also, es ging so: Ich hing so tierisch angetrunken in einer dieser irischen Spelunken. Trank mindestens mein siebzehntes Guiness. Ich schätze, dass da wohl Alkohol drin ist. Sonderbares Paar an der Bar, beide vielleicht 50 Jahr. Mit Verlaub, ich glaub, er war ‘n Clochard - sah verwegen aus, sie dagegen mausgrau. Ne Hausfrau mit ihrem heimlichen Liebhaber - unnahbar aber innig. Nichts hätte sie gestört, denn sie flirten wie Liz Taylor und Richard Burton Und ich schrieb im Stillen das Drehbuch für ihren Liebesfilm: Beide hat das Schicksal x-mal ausgetrickst. Das kannst du wissen, wenn du hinter die Kulissen blickst. Ihr Gatte hatte sie verlassen. Sie hatte keinen blassen Schimmer, warum und lief immer im Zimmer herum. Das entbehrte jeder Logik, schließlich hatte sie studiert - Pädagogik. Doch eines Tages drang eine schöne Melodie an ihr Ohr Und jemand sang: "Let it be, let it be, let it be!" Ein Nichtsesshafter spielte beizeiten den Refrain dieses Titels der Beatles auf zwei Saiten seiner Gitarre - er war ’n alter Matrose und er ging auf sie zu in seiner blauen Latzhose. Beide waren elektrisiert wie die Zitterrochen. Sie wollt ihm gleich was zu Mittag kochen. Jetzt sind sie nicht mehr ledig und in den Flitterwochen doch nicht in Venedig, sondern in Hamburg im Shamrock...

Persönliche Werkzeuge